Episode 29
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| Kategorie | Details |
|---|---|
| Episodennummer | 29 |
| Titel | Geschichte der Retu |
| Hauptperspektive | Avontras |
| Charaktere | Avontras Chet Polpus |
| Orte | Arbeitshaus von Polpus, Trettberge |
| Inhalt/Schlüsselergebnisse | Avontras kann nicht schlafen, liest ein altes Manuskript über das erste Treffen von Retu und Menschen. Der Konflikt beginnt mit dem Bau einer Stadt am heiligen Otros durch Menschen unter Merlah. Die Retu protestieren, wollen ihre Pilgerzeit dort verbringen – ohne Erfolg. Dies markiert den Anfang jahrhundertelanger Spannungen. Am nächsten Tag beginnt die Reise in die Trettberge. Unterwegs erzählt Polpus von den sechs Retu-Stämmen, der Ausdehnung des Reichs und den freien Städten. Es entsteht ein philosophisches Gespräch über Wahrheit, Geschichte, Aggression und Zusammenleben. |
| Anmerkungen | |
| Dauer | 20:52 |
| Veröffentlichung Spotify | 23.03.2025 |
| Veröffentlichung YouTube | 18.06.2025 |
| Link zur Episode |
Diese Episode beginnt mit einer unruhigen Nacht für Avontras, der vor Aufregung nicht schlafen kann und das Gewitter draußen wie Paukenschläge auf das Arbeitshaus hört. Um die Zeit zu vertreiben, stöbert er in Polpus' Forschungsnotizen. Dabei entdeckt er ein jahrhundertealtes Manuskript eines Chronisten, der vor über 500 Jahren lebte, und dessen Bericht ein erstes Aufeinandertreffen der Retu mit den Menschen beschreibt.
In diesem alten Manuskript wird geschildert, wie die Menschen eine stolze Holzkonstruktion am Otros errichten, die bereits 200 Meter hoch ist und sich über 900 Meter erstreckt, um den Otros zu erklimmen. Ihr Anführer, Merlah, ist überzeugt, dass dies ein göttlicher Auftrag ist. An einem geschäftigen Tag auf der Baustelle tauchen Staubwolken aus allen Himmelsrichtungen auf, was zunächst für ein feindliches Heer gehalten wird. Es stellt sich jedoch heraus, dass es sich um die Retu handelt, die seit Jahrhunderten neben den Menschen leben, aber kaum Austausch pflegten. Die Retu, mit ihren "hundeähnlichen Gesichtern", sind überrascht, als sie auf das Lager und die Konstruktion der Menschen stoßen.
Sechs Retu-Führer, begleitet von Übersetzern, die die menschliche Sprache gelernt haben, treten hervor, um mit Merlah zu sprechen. Sie erklären, dass es Pilgerzeit ist und sich alle Stämme der Retu zu dieser Zeit auf den Weg zum Otros machen, um gemeinsam den Göttern zu huldigen und zu feiern, da der Otros eine heilige Stätte für sie darstellt. Merlah erwidert daraufhin, dass er den göttlichen Auftrag erhalten habe, den Monolithen zu erklimmen und eine Stadt zu gründen. Ein Retu-Führer reagiert erbost und bezeichnet es als „Frevel an den Göttern“, den Otros anzutasten oder gar zu erklimmen.
Merlah bleibt jedoch beharrlich und lässt sich nicht von seinem Kurs abbringen, selbst als die Retu ihn bitten, die Arbeiten für einige Tage ruhen zu lassen, damit sie ihre Riten durchführen können. Er besteht darauf, dass der göttliche Auftrag keinerlei Verzögerungen erleiden darf. Obwohl die Retu erbost und enttäuscht wirken und dieser Tag den „ersten Riss in der Beziehung“ zwischen Menschen und Retu darstellt, kommen an diesem Tag keine Waffen zum Einsatz.
Avontras, der das Manuskript liest, ist unsicher, wem er recht geben soll, und erkennt, dass dieser Vorfall vor über 500 Jahren den Ausgangspunkt für einen Jahrhunderte andauernden Streit bildete, der die Retu schließlich ihre Existenz kostete. Er fragt sich, ob eine Koexistenz möglich gewesen wäre, wenn Merlah damals nachgegeben hätte.
Am nächsten Tag brechen Avontras, Chet und Polpus zu ihrem Abenteuer in die Trettberge auf, um Ter'Ret zu erreichen. Trotz seines fortgeschrittenen Alters zeigt Polpus eine überraschende körperliche Vitalität und übertrifft die beiden jüngeren Männer in Geschwindigkeit und Ausdauer. Sie nehmen reichlich Vorräte wie Kartoffeln, Möhren, Nüsse und Pökelfleisch mit, da Polpus betont, dass sie in der Trettweite kaum Essbares oder Wasser finden werden. Die Vorräte werden von freien Händlern aus Brabas geliefert, die im Auftrag von Bürgermeister Tomras agieren und ihre Autonomie betonen.
Die drei machen sich auf den Weg in die Trettberge. Unter dem Sternenhimmel erzählt Polpus den Jungen von seinen Forschungen über die Retu. Er hat herausgefunden, dass es in den Landen mindestens sechs Retu-Stämme gab: Nassar'Ul, Ter'Ret, Aldar'As, Ottor'Os, Brabar'As und Bera'U, deren Namen den heutigen menschlichen Orten ähneln. Er vermutet sogar einen weiteren Stamm in Sheregona, obwohl das Gebiet nach einem Unglück vor 80 Jahren verseucht und innerhalb des Reiches liegt, was die Forschung erschwert. Auf Avontras' Frage, ob alles anders gekommen wäre, wenn Merlah nachgegeben hätte, glaubt Polpus, dass es dennoch zu Auseinandersetzungen gekommen wäre, da Retu und Menschen zu unterschiedlich waren.
Polpus beschreibt die Retu als ein pazifistisches Volk, das Gewalt mied und den Frieden liebte, und das untereinander nie Krieg geführt hatte. Sie pilgerten vor 500 Jahren regelmäßig zum Otros, um dort die Götter anzubeten. Die Retu waren angeblich schlauer als die Menschen, da sie Zusammenhänge im größeren Ganzen erkennen und Emotionen sowie Hintergründe von Aussagen und Handlungen schnell identifizieren konnten. Für sie müssen viele menschliche Handlungen wie Streiten, Lügen oder Übervorteilen unverständlich gewesen sein, da eigennütziges Handeln ihnen fremd war und sie nur zum Vorteil aller handelten. Polpus erklärt, dass eine aggressive Kraft leider einer passiven überlegen ist, insbesondere wenn die passive Seite nicht an das Kämpfen gewohnt ist. Selbst als sich die Retu entschlossen, sich zu wehren, war der Schaden an ihrem Volk bereits unumkehrbar. Polpus sinniert darüber, was für eine Welt hätte entstehen können, wenn die schlauen Retu und die ehrgeizigen Menschen zusammengearbeitet hätten.
Avontras fragt Polpus nach den "freien Städten". Polpus erklärt, dass das Reich seit über 300 Jahren existiert und sich mit dem Anschluss von Kaltenwinde nun alle Ländereien westlich des Kreuzwassers und der Trettberge innerhalb des Reiches befinden. Neben den Dörfern der Mühlengilde und ihrer Hauptstadt Shanren im Nordosten werden die übrigen Gebiete als freie Städte und Dörfer bezeichnet. Nach dem Anschluss Kaltenwindes sind nur noch Laufbrücken (ein Sonderfall, da ein Teil dem Reich zugerechnet wird) und Brabas als die letzte wirklich freie Stadt übrig. Er beschreibt den Konflikt zwischen zwei Seiten: denen, die die Unabhängigkeit der freien Städte verteidigen wollen, und denen, die das Reich befürworten und Fortschritt mit dessen Ausdehnung verbinden. Avontras, der im Reich-befürwortenden Nassul aufgewachsen ist, ist verwirrt und fragt nach der "richtigen Meinung" oder einer "Wahrheit". Polpus antwortet, dass es keine "richtige Meinung" und keine "universelle Wahrheit" gibt, da jeder Mensch auf Basis seiner individuellen Erfahrungen handelt. Historisch gesehen haben diejenigen, die glaubten, den einzig wahren Weg zu kennen, nur "sinnlose Blutströme" verursacht. Eine universelle Wahrheit zu finden, würde bedeuten, jedes einzelne Leben jedes Menschen auf der Welt gelebt zu haben.